Klappe die Erste von rund 50 Folgenden..

Ich bin nun schon eine Woche im Kinderheim Lidia in Marosvásárhely und sehe das mal als Grund um nach 7 Tagen neuem zu Hause eine kurze Bilanz zu ziehen.
Ich habe mich mittlerweile an vieles gewöhnt-an mein sehr kleines Zimmer, dass im Bad 5 Tage lang das Licht nicht ging, dass das ganze Außengelände des Kinderheims mit Bauschutt überhäuft ist, dass das angrenzende Altersheim umgebaut wird und mich deshalb jeden Morgen pünktlich um 8 Presslufthammer wecken oder, dass ungarisch nicht umsonst die schwerste Sprache Europas ist.

An was ich mich nicht gewöhnen kann, sind die Essens-und Schlafenszeiten. Ich habe das Gefühl, dass die 4-jährigen und somit jüngsten Kinder hier mehr essen, aber weniger Schlaf brauchen als ich!?
Vielleicht  liegt es auch einfach an der riesen Umstellung, dass ich fast den ganzen Tag müde bin, denn Rumänien ist ganz anders als Deutschland.

Als ich vom Bahnhof abgeholt wurde, erschrak ich wie hässlich es dort aussah. Nachdem ich Donnerstag und Freitag erstmals mit im Haushalt geholfen habe und über 13 Stunden am Tag mit den Kindern spielte (hier waren bis Montag noch Ferien), bemerkte ich, wie anstrengend selbst puzzeln und Memory sein kann. Es gehört auch zu meinen Aufgaben, die kleinen zu duschen und ins Bett zu bringen, was mir sehr viel Spaß macht. Ich hoffe, dass es für sie bald selbstverständlich wird, dass ich nun ein Teil der großen Lidia-Familie bin (:

Das Wochenende schloss sich an und somit auch ein kleines Tief. Denn ich bemerkte, dass ein Jahr doch eine sehr lange Zeit ist, in der ich mich nicht nur verpflichtet habe anderen Menschen etwas Gutes zu tun, sondern auch ein Jahr ohne Familie, Freunde und bekannte Gesichter zu verbringen.

Doch als ich mich aufraffte um das Zentrum zu erkunden, verbesserte sich meine Laune. Es gab dort viel zu entdecken-altertümliche prunkvolle Gebäude, ein Einkaufszentrum, eine schöne Einkaufspassage und viele kleine Läden. Es gibt hier auch einen New Yorker, Lidl, dm…In Puncto Verpflegung dürfte es mir also an nix fehlen. Die letzten Sonnenstrahlen waren kitschig ausgedrückt „Balsam für meine Seele“ und ich konnte Kraft sammeln um in die nächste Woche zu starten.

Nachdem ich endlich ein Gespräch mit der Chefin hatte, die mich über meine Rechte und Pflichten aufklärte, konnte es richtig losgehen. Es war irgendwie nochmal ein Zeichen, dass ich nun wirklich
angekommen war und auch noch lang bleiben würde.
Was außerdem gut tut, sind Gespräche über Skype mit der Familie oder der besten Freundin. Wenn ich Zeit habe, schau ich mir auch mal einen bekannten Film an, so dass ich schon fast vergesse, dass ich nicht zu Hause in meinem Bett lümmel.


Was mir ansonsten aufgefallen ist, ist, dass ich schon mini-winzig kleine Fortschritte mit der Sprache mache. Heute konnte ich sogar bei den Deutsch/Englisch und Mathehausaufgaben helfen und mich ein wenig verständigen. Ich hatte auch das Gefühl, dass die Kinder meine kleine Unterstützung schätzten. Als die Größeren von- wem auch immer -Schokolade geschenkt bekommen hatten, hab ich sogar großzügige 7 Stück abbekommen und das auch noch von den nicht zu bändigenden rebellischen Jungs. Solche kleinen Gesten zaubern mir immer schon ein Lächeln ins Gesicht.

Was es sonst noch zu sagen gibt...Ich spüre, dass es eine große Kluft zwischen den ursprünglichen Ungarn und dem Land Rumänien gibt, in welches sie hineingeboren wurden. Dazu muss man wissen, dass nach den Weltkriegen 2/3 vom ungarischen Land an Rumänien abgetreten wurden, weshalb folglich viele ungarischstämmige Familien auch heute noch als Minderheit in Rumänien leben. Ich könnte nun Fallbeispiele nennen, aber da ich eine gewisse Schweigepflicht habe, was solche Belange angeht, darf ich das nicht. Eine Regel als Freiwilliger hier ist es, dass man all seine Fragen beantwortet kriegen muss und alles wissen darf, dieses Wissen jedoch für dich behalten muss (was für mich absolut ok ist).

Eine tolle Vereinbarung ist es, dass ich die Wochenenden frei habe. Am Samstag wird eine Mitfreiwillige und mittlerweile auch Freundin Marianne den Weg von Eremitu zu mir antreten. Wir werden sicher einige Sachen einkaufen gehen, ungarisch lernen, Kuchen backen und außerdem 2 andere deutsche Mädels aus der Stadt treffen, die hier ebenso ihren Freiwilligendienst absolvieren. Ich freu mich schon unglaublich auf die nächsten Tage.
Liebe Grüße aus dem regnerischen und matschigen Rumänien :*






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